Das Schlamassel ist groß: Nicht nur, dass du deinen Führerschein wegen zum Beispiel Alkohol, Drogen oder zu vielen Punkten verloren hast. Um die Fahrerlaubnis wiederzubekommen, hat die Behörde auch noch eine MPU angeordnet. Nun überlegst du vielleicht, ob es nicht Möglichkeiten gibt, den sogenannten Idiotentest zu umgehen. Schließlich kostet eine MPU richtig viel Geld und die Durchfallquote ist hoch.
Angst vor der medizinisch-psychologischen Untersuchung, Schamgefühle, begrenzte finanzielle Mittel, wenig Interesse, sich mit der Problematik hinter dem Vorfall zu befassen: Es kann verschiedene Gründe geben, warum du die MPU gerne umgehen würdest. Und wenn du dich umhörst, wirst du immer wieder auf Aussagen stoßen, nach denen du den Führerschein auch ohne MPU zurückbekommen kannst.
Tatsächlich gibt es Möglichkeiten, die MPU zu umgehen. Doch einige Vorschläge sind schlichtweg illegal und andere Wege sind langwierig und aufwändig. Aber schauen wir uns die einzelnen Möglichkeiten genauer an!
Fahrverbot und Führerscheinentzug sind nicht das Gleiche
Bist du beruflich auf deinen Führerschein angewiesen, aus familiären Gründen oder durch deinen Wohnort ohne fahrbaren Untersatz echt in der Klemme oder einfach nur ein leidenschaftlicher Autofahrer, schmerzt es sehr, wenn dein Fahrzeug stehen bleiben muss. Allerdings musst du zwischen einem Fahrverbot und einem Fahrerlaubnis-Entzug unterscheiden. Denn wenn dein Führerschein nur für eine gewisse Zeit eingezogen wird, ist deine Fahrerlaubnis dadurch nicht erloschen.
Zeitlich befristetes Fahrverbot
Warst du mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, hast den Abstand zum Vordermann nicht eingehalten oder bist über eine rote Ampel gefahren, droht neben einer Geldbuße und Punkten in Flensburg auch ein Fahrverbot. Gleiches gilt bei Fahrten unter dem Einfluss von Alkohol, Medikamenten und anderen Substanzen.
Die Behörde muss aber nicht gleich in die Vollen gehen und eine MPU anordnen. Vor allem in weniger schwerwiegenden Fällen und bei Ersttätern kann sie es bei einem Fahrverbot belassen. Das Fahrverbot kann einen bis sechs Monate andauern.
Das bedeutet in der Praxis, dass du deinen Führerschein innerhalb einer bestimmten Frist für eine gewisse Zeit abgeben musst. Ist das Fahrverbot abgelaufen, händigt dir die Behörde deinen Führerschein wieder aus, ohne dass du eine MPU machen musst. Denn mit Ablauf des Fahrverbots hast du auch deine zeitweise ausgesetzte Berechtigung zum Führen von Fahrzeugen wieder.
Fahrverbot als nachgeordnete Sanktion
Gemäß § 44 StGB (Strafgesetzbuch) kommt ein Fahrverbot auch dann in Betracht, wenn du infolge einer Straftat zu einer Geld- oder Haftstrafe verurteilt wurdest. Dabei muss die Straftat nicht im Straßenverkehr passiert sein oder damit zusammenhängen, dass du gegen deine Pflichten als Kraftfahrer verstoßen hast. Das Fahrverbot kann für einen bis sechs Monate verhängt werden.
Unabhängig von einem Verkehrsdelikt soll das Fahrverbot vor allem dann als nachgeordnete Strafe verhängt werden, wenn zu erwarten ist, dass auf diese Weise positiv auf dich eingewirkt werden kann. Außerdem kann es angewendet werden, um so zu vermeiden, dass eine Freiheitsstrafe verhängt oder vollstreckt werden muss.
Entzug der Fahrerlaubnis
Dass die Behörde deinen Führerschein nicht nur einzieht, sondern dir die Fahrerlaubnis entzieht, geht in aller Regel auf eine richterliche Anordnung zurück. Auslöser für diese Maßnahme können zum Beispiel schwerwiegende oder wiederholte Verkehrsverstöße, Fahrten mit 1,6 Promille Alkohol oder mehr, Drogendelikte oder Straftaten im Straßenverkehr sein.
Im Strafverfahren wird dir nicht nur die Berechtigung zum Führen von Kraftfahrzeugen aberkannt, sondern auch eine Sperrfrist verhängt. Die Sperrfrist kann, je nach Vorfall, bis zu fünf Jahre betragen. Während der Sperrfrist darf dir die Behörde keine neue Fahrerlaubnis erteilen.
Im Zuge des Antrags entscheidet die Behörde, ob sie dir die Fahrerlaubnis ohne weitere Auflagen wieder erteilt oder ob sie deine Fahreignung durch eine MPU klären lassen möchte. Es kann also sein, dass du zur MPU musst, bevor dein Führerscheinantrag bewilligt wird. Aber genauso kann dein Führerschein auch ohne MPU ausgestellt werden.
Ein Wort zur Fahrerlaubnispflicht
Die Unterscheidung zwischen dem Fahrverbot und dem Entzug der Fahrerlaubnis ist auch mit Blick auf die sogenannte Fahrerlaubnispflicht wichtig. Die Fahrerlaubnispflicht beinhaltet, dass Kraftfahrzeuge, die ihr unterliegen, nur mit einer entsprechenden Fahrerlaubnis gefahren werden dürfen.
Wurde dir die Fahrerlaubnis entzogen, bist du also nicht dazu berechtigt, fahrerlaubnispflichtige Fahrzeuge zu führen. Aber du darfst auch weiterhin die Fahrzeuge fahren, die nicht der Erlaubnispflicht unterliegen. Dazu zählen Elektrokleinfahrzeuge wie E-Scooter, E-Fahrräder oder auch forst- und landwirtschaftliche Zugmaschinen. Bist du vor dem 1. April 1965 geboren, darfst du auch ein Mofa mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern fahren.
Trotz Entzug der Fahrerlaubnis kannst du also Fahrzeuge nutzen, für die die Fahrerlaubnispflicht nicht gilt. Es sei denn, die Behörde hat etwas anderes bestimmt und dir auch das Führen dieser Fahrzeuge untersagt.
Bei einem zeitlich befristeten Fahrverbot ist das anders. Denn Fahrverbot bedeutet, dass du keine Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr bewegen darfst. Folglich musst du für den Zeitraum des Fahrverbots auch Fahrzeuge stehen lassen, die von der Erlaubnispflicht nicht erfasst sind.
Führerschein kann auch ohne MPU wieder erteilt werden
In § 11 Abs. 3 FeV (Fahrerlaubnis-Verordnung) ist geregelt, dass die Behörde eine MPU anordnen kann, wenn Zweifel an deiner Fahreignung bestehen. Dabei nennt der Paragraf zwar konkrete Fälle, die ein MPU-Gutachten notwendig machen können. Dazu zählen unter anderem:
- erhebliche oder wiederholte Verstöße gegen verkehrsrechtliche Vorschriften
- Straftaten im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr
- vor der Neuerteilung der Fahrerlaubnis, wenn die Fahrerlaubnis wiederholt oder wegen erheblichen Verkehrsverstößen oder Straftaten entzogen wurde
- körperliche oder geistige Einschränkungen, die die Fahreignung beeinflussen
Das unscheinbare Wörtchen „kann“ bringt es aber mit sich, dass die Behörde eine MPU nicht zwingend anordnen muss. Es liegt also letztlich im Ermessen der Behörde, ob die Zweifel an deiner Fahreignung eine MPU notwendig machen oder ob sie davon absieht, dass du ein medizinisch-psychologisches Gutachten vorlegen musst.
Ausnahmen gelten allerdings, wenn Alkohol oder Drogen im Spiel sind. Bei Alkohol ist eine MPU verpflichtend vorgeschrieben, wenn du mit 1,6 Promille Alkohol im Blut oder mehr gefahren bist oder es Hinweise darauf gibt, dass ein Alkoholmissbrauch oder eine Alkoholabhängigkeit besteht. Diese Vorgabe steht in § 13 FeV. Auch der Konsum von Drogen bringt gemäß § 14 FeV eine MPU mit sich, bevor du deinen Führerschein wiederbekommst.
Anordnung der MPU als Einzelfallentscheidung
Grundsätzlich entscheidet die Behörde immer im Einzelfall, ob sie eine MPU anordnet oder ob nicht. Es ist also nicht zwangsläufig so, dass du nach einem Führerscheinentzug immer und ausnahmslos zur Fahreignungsprüfung musst.
Das bedeutet aber auch, dass vermeintlich harmlosere Vergehen die Behörde ebenso dazu veranlassen können, deine Fahreignung durch eine MPU überprüfen zu lassen. Außerdem kann die Behörde anstelle oder neben der MPU weitere Auflagen vorgeben, bevor du wieder einen Führerschein bekommst. Bei diesen Auflagen kann es sich zum Beispiel um Abstinenznachweise von einer akkreditierten Stelle oder eine Nachschulung handeln.
Rechtsmittel gegen die Anordnung der MPU gibt es nicht. Das liegt daran, dass die Anordnung der MPU nur eine vorbereitende Handlung für die darauffolgende Verwaltungsentscheidung ist. Die eigentliche Entscheidung der Behörde besteht nämlich darin, dass sie deinen Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis bewilligt oder ablehnt. Die MPU ist lediglich eine Maßnahme, die für diese Entscheidung notwendig ist.
Du wiederum absolvierst die MPU gewissermaßen freiwillig. Du bist nicht dazu verpflichtet, dich der Begutachtung zu unterziehen. Deshalb kannst du rechtlich auch nicht dagegen vorgehen. Weigerst du dich und legst das geforderte Gutachten nicht vor, wird dein Führerscheinantrag abgelehnt. Und gegen diese Entscheidung kannst du dann Rechtsmittel einlegen. In der Praxis stehen die Erfolgsaussichten allerdings schlecht.
Wie ist es möglich, die MPU zu umgehen?
Wenn die Behörde eine MPU anordnet, sieht sie die Notwendigkeit, deine Eignung für die Teilnahme am Straßenverkehr überprüfen zu lassen. Dem geht ein Vorfall voraus, der den Entzug der Fahrerlaubnis zur Folge hatte. Das kann zum Beispiel Fahren unter Einfluss von Alkohol oder Drogen, eine verkehrsrechtliche Straftat oder notorische Raserei sein. Jedenfalls musst du ein positives MPU-Gutachten vorlegen, bevor dein Antrag auf Neu- oder Wiedererteilung der Fahrerlaubnis bewilligt wird.
Nun ist eine MPU aber immer mit hohen Kosten verbunden. Denn zu der Gebühr für die Fahreignungsprüfung als solche kommen meist noch Ausgaben für die MPU Vorbereitung dazu. Außerdem ist es nicht unbedingt angenehm, sich den Fragen des Gutachters zu stellen.
Und du kannst nicht wissen, ob es dir gelingen wird, den Gutachter von deiner Einsicht und deiner Verhaltensänderung zu überzeugen, oder ob du durchfällst und die MPU wiederholen musst. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wenn du nach Möglichkeiten suchst, um die MPU zu umgehen. Dabei wirst du auf verschiedene Wege und Vorschläge stoßen:
- Einspruch gegen die Anordnung der MPU erheben
- das MPU-Gutachten kaufen
- die MPU im Ausland absolvieren
- die Verjährung der MPU abwarten
- einen Führerschein im EU-Ausland machen
Welche dieser Möglichkeiten tatsächlich eine Lösung sein können, erfährst du in den folgenden Abschnitten.
Die MPU durch einen Einspruch gegen die Anordnung umgehen
In einem Rechtsstaat wie Deutschland hat jeder das Recht, gegen Verwaltungsentscheidungen und gerichtliche Beschlüsse vorzugehen. Doch für die Anordnung einer MPU gilt das nicht. Denn dass die Behörde eine MPU anordnet, ist kein Beschluss. Es handelt sich vielmehr um eine Auflage, die an deinen Führerscheinantrag geknüpft ist.
Das heißt in anderen Worten: Du beantragst die Erteilung der Fahrerlaubnis und die Behörde fordert dich dazu auf, ein MPU-Gutachten vorzulegen, damit dein Antrag bearbeitet und bewilligt werden kann.
Du musst das Gutachten nicht vorlegen. Nur wird dann dein Antrag eben abgelehnt. Vom Grundprinzip her ist es ähnlich, wie wenn du einen Personalausweis beantragt. Hier ist eine Auflage, dass du ein Foto einreichen musst. Gibst du kein Passbild ab, kann dein Personalausweis nicht erstellt werden. Dieser Auflage kannst du auch nicht widersprechen.
Ob der Ablehnungsbescheid erfolgt, weil du das MPU-Gutachten verweigert hast oder dein Gutachten negativ war, spielt unterm Strich keine Rolle. In beiden Fällen ist ein Einspruch möglich, aber die Erfolgsaussichten sind sehr gering. Denn die Anordnung einer MPU stützt sich auf rechtliche Grundlagen, die in aller Regel wasserdicht sind. Und der Nachweis, dass das Gutachten zu Unrecht negativ ausgefallen ist, ist sehr schwer zu führen. Schließlich gibt es klare Beurteilungskriterien, auf die sich der Gutachter beruft.
Und:
Damit das negative Gutachten rechtsgültig wird und du gegen den darauffolgenden Ablehnungsbescheid Rechtsmittel einlegen kannst, musst du es bei der Behörde einreichen. Doch du solltest vermeiden, dass ein negatives MPU-Gutachten überhaupt aktenkundig wird. Wenn du dich trotzdem dafür entscheidest, den Rechtsweg zu beschreiten, muss dir klar sein, dass dich das Verfahren viel Zeit und Geld kosten wird.
Das MPU-Gutachten kaufen
Im Internet wirst du mitunter auf die Möglichkeit stoßen, dir ein positives MPU-Gutachten gegen Bezahlung zu beschaffen. Vor allem im sogenannten Darknet, einem größtenteils anonymen Bereich des Internets, wird mit den verschiedensten Dingen gehandelt. Dazu gehören auch MPU-Gutachten und Abstinenznachweise.
Der Kauf eines Gutachtens oder von Abstinenznachweisen ist illegal. Du machst dich damit unter anderem der Urkundenfälschung schuldig. In § 267 Abs. 1 StGB (Strafgesetzbuch) heißt es dazu:
„Wer zur Täuschung im Rechtsverkehr eine unechte Urkunde herstellt, eine echte Urkunde verfälscht oder eine unechte oder verfälschte Urkunde gebraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
Allein schon der Versuch, ein gekauftes und damit gefälschtes Gutachten zu verwenden, ist strafbar. Die Fälschungen haben oft eine dermaßen schlechte Qualität, dass auf den ersten Blick zu erkennen ist, dass damit etwas nicht stimmt. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass es Händler gibt, die enge Kontakte zu Gutachtern oder Ärzten haben und dadurch authentische Unterlagen liefern können. Nur lassen sie sich ihren Service dann sehr, sehr gut bezahlen.
Die MPU im Ausland machen
Einige Anbieter werben damit, dass du die MPU im Ausland machen kannst. Jedes Land hat seine eigenen Regelungen, wann die Fahrerlaubnis entzogen und unter welchen Bedingungen sie wieder erteilt wird. Deshalb kommen im Ausland teilweise ähnliche Testverfahren zum Einsatz.
Außerdem gibt es auch im Ausland Ärzte und Psychologen, die Untersuchungen durchführen und Gutachten erstellen können. Insofern scheint es theoretisch möglich, die MPU in Deutschland zu umgehen und den Test im Ausland zu absolvieren.
In der Praxis scheitert dieser Plan aber schon am Ablauf des Anmelde- und Testverfahrens. Denn die Abfolge ist so:
- Etwa drei Monate vor Ende deiner Sperrfrist stellst du bei der zuständigen Führerscheinbehörde einen Antrag auf Erteilung der Fahrerlaubnis.
- Ist eine MPU angeordnet, bittet dich die Behörde um die Angabe der Prüfstelle, bei der du die MPU machen willst. Die Prüfstelle kannst du frei wählen, solange es sich um eine akkreditierte Stelle handelt.
- Hast du eine Prüfstelle ausgewählt, schickt die Behörde deine Akte dorthin und formuliert gleichzeitig die Frage, die das MPU-Gutachten beantworten soll.
- Daraufhin setzt sich die Prüfstelle mit dir in Verbindung, um dir den Eingang deiner Unterlagen zu bestätigen. Außerdem bekommst du eine Zahlungsaufforderung.
- Erst nachdem du die Gebühr bezahlt hast, kannst du dich für einen Termin zur MPU anmelden.
Ein anderer Aspekt ist, dass bei der Untersuchung festgelegte Bestimmungen und Richtlinien erfüllt sein müssen. Die Bewertung muss anhand definierter Beurteilungskriterien erfolgen. Alle diese Vorgaben stützen sich auf deutsches Recht. Ein Gutachten aus dem Ausland wird den Anforderungen meist nicht genügen. Außerdem muss die MPU bei einer amtlich zugelassenen Prüfstelle stattfinden.
Die MPU durch Verjährung umgehen
Eine Möglichkeit, wie du die MPU tatsächlich ganz legal umgehen kannst, ergibt sich durch die Verjährung. Die Anordnung der Behörde, dass du eine MPU machen musst, verjährt zwar nicht. Aber das Delikt, das zum Führerscheinentzug geführt hat, wird nach einer bestimmten Zeit aus dem Register gelöscht. Und wenn der Eintrag verschwunden ist, ist auch die dazu angeordnete MPU hinfällig.
Die Rechtsgrundlage für die Löschung von Einträgen ist in § 29 StVG (Straßenverkehrsgesetz) geregelt. Demnach wird der Eintrag der Straftat, wegen der der Führerscheinentzug erfolgte, nach zehn Jahren gelöscht. Allerdings beginnt die Tilgungsfrist nicht sofort. Stattdessen geht ihr eine fünfjährige Wartezeit ab Rechtskraft der Entscheidung voraus.
Wenn das Urteil in deinem Strafverfahren und die Anordnung der MPU rechtskräftig geworden sind, läuft also zunächst eine Frist von fünf Jahren. Leistest du dir in diesen fünf Jahren keinerlei Auffälligkeiten, setzt anschließend die zehnjährige Tilgungsfrist ein.
Zum besseren Verständnis ein Beispiel: Angenommen, die Behörde hat am 25.01.2023 eine MPU angeordnet. Fünf Jahre später, also am 25.01.2028, beginnt die Tilgungsfrist. Sie endet am zehn Jahre später am 25.01.2038. Mit dem Löschen des Eintrags hat sich die MPU erledigt.
Die MPU durch einen EU-Führerschein umgehen
Eine weitere Möglichkeit, wie du die MPU vermeiden kannst, ergibt sich aus der europäischen Gesetzgebung. Führerscheine, die in einem EU-Mitgliedsstaat ausgestellt wurden, sind nämlich EU-weit gültig. Ziehst du innerhalb der EU um, musst du deshalb deinen Führerschein nicht unbedingt in einen nationalen Führerschein umschreiben lassen. Und wenn du als unbescholtener Bürger in einem EU-Land rechtmäßig einen Führerschein erwirbst, muss er in Deutschland anerkannt werden.
Wichtig, wenn dir die Fahrerlaubnis in Deutschland entzogen wurde: Das Recht, hier von einer EU-Fahrerlaubnis Gebrauch zu machen, lebt nach einer Entziehung nicht automatisch wieder auf. Du musst es nach § 28 Abs. 5 FeV bei deiner deutschen Führerscheinstelle beantragen, und das setzt voraus, dass die Gründe für die Entziehung nicht mehr bestehen. Genau an dieser Stelle kann die Behörde erneut ein Gutachten verlangen. Wer stattdessen einfach losfährt, riskiert eine Verurteilung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis nach § 21 StVG. Das ist eine Straftat, keine Ordnungswidrigkeit.
Allerdings hat die Sache einen großen Haken. Damit dir im EU-Ausland eine Fahrerlaubnis erteilt werden kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:
- Die Sperrfrist, die im Rahmen deines Strafverfahrens verhängt wurde, muss abgelaufen sein. Zwischen den Behörden findet ein Datenaustausch statt. Solange deine Sperrfrist läuft, wird dir die ausländische Behörde deshalb keine Fahrerlaubnis erteilen.
- Dein Hauptwohnsitz muss sich mindestens 185 Tage lang im jeweiligen EU-Land befinden. Du musst also mindestens ein halbes Jahr in dem Land gemeldet sein.
Vor allem das sogenannte Wohnsitzprinzip kann zur Stolperfalle werden. Was beim EU-Führerschein rechtlich wirklich gilt, haben wir gesondert aufgeschrieben. Denn die Behörden schauen mittlerweile bei ausländischen EU-Führerscheinen sehr genau hin und überprüfen den Wohnsitz im Ausland. Stellt sich dann heraus, dass du nicht im Ausland gemeldet warst oder dein vermeintlicher Wohnsitz nur eine Scheinadresse ist, ist dein EU-Führerschein gleich wieder weg.
Zusätzlich droht dir eine Anklage wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Damit dauert es noch länger, bis du erneut einen Führerscheinantrag stellen kannst.
Vorsicht vor unseriösen Angeboten!
Es gibt Anbieter, die mit ausländischen EU-Führerscheinen zum Kauf locken. Sie werben damit, dass weder ein Besuch der Fahrschule und eine praktische Fahrprüfung noch eine MPU notwendig sind. Stattdessen muss nur ein bestimmter Betrag bezahlt werden. Falle nicht auf solche Angebote herein! Sie sind in aller Regel unseriös und die Führerscheine sind gefälscht. Kaufst du so einen Führerschein, machst du dich strafbar und riskierst nur noch mehr Ärger.
Was sind keine geeigneten Wege, den MPU-Test zu umgehen?
Vor allem mit Blick auf die verkehrspsychologische Untersuchung ist eine gute MPU Vorbereitung sehr wichtig. Wenn Teilnehmer bei der MPU durchfallen, dann liegt das überwiegend daran, dass sie die Fragen des Gutachters unterschätzt und nicht gut genug auf das Gespräch vorbereitet waren.
Zum Zeit- und Kostenaufwand für die Vorbereitung kommt dann noch die Gebühr dazu, die für die Begutachtung als solche fällig wird. Brauchst du zudem Abstinenznachweise, wird es noch teuer.
Im Vorfeld kannst du nicht wissen, ob du die Zweifel an deiner Fahreignung ausräumen und den Gutachter von einer stabilen Verhaltensänderung überzeugen kannst oder ob du durchfallen wirst und erneut zur MPU antreten musst. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, wenn du den MPU-Test am liebsten umgehen würdest.
Vor allem im Internet wirst du auf verschiedene Wege stoßen, wie du die MPU vermeiden kannst. Zu diesen Vorschlägen gehört, das MPU-Gutachten zu kaufen oder die MPU im Ausland zu machen.
MPU-Test durch Kauf des Gutachtens umgehen
Insbesondere im größtenteils anonymen Teil des Internets, dem sogenannten Darknet, gibt es einen Markt für die verschiedensten Dinge. Waffen, Drogen und andere illegale Waren gehören genauso dazu wie MPU-Gutachten und Abstinenznachweise.
Ein MPU-Gutachten oder Abstinenznachweise zu kaufen, ist illegal. Gemäß § 267 Abs.1 StGB (Strafgesetzbuch) ist der Tatbestand der Urkundenfälschung erfüllt, wenn eine unechte Urkunde erstellt, eine echte Urkunde verfälscht oder eine unechte oder verfälschte Urkunde zur Täuschung im Rechtsverkehr eingesetzt wird. Das Strafmaß sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Dabei ist allein schon der Versuch strafbar, ein gekauftes und damit gefälschtes Gutachten zu verwenden.
Oft sind die MPU-Gutachten qualitativ so schlecht gemacht, dass selbst ein Laie erkennt, dass es sich um eine Fälschung handelt. Es mag zwar ein paar Anbieter geben, die mit authentischen Unterlagen handeln, weil sie gute Kontakte zu Gutachtern oder Ärzten haben. Allerdings lassen sich sowohl die beteiligten Gutachter als auch die Händler das Risiko, das sie eingehen, sehr gut bezahlen.
Durch ein gekauftes Gutachten verbaust du dir nicht nur die Chance, deinen Führerschein wiederzubekommen. Vielmehr riskierst du zusätzlich noch hohe Strafen, unter anderem wegen Urkundenfälschung. Lass also die Finger davon. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für ausländische EU-Führerscheine, die zum Kauf angeboten werden. Sie sind ebenfalls Fälschungen.
MPU-Test durch ausländisches Gutachten umgehen
Einige Anbieter locken mit einer MPU im Ausland. Welche Bedingungen für einen Führerscheinentzug und die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis gelten, ist in jedem Land anders geregelt. Daher kann es im Ausland ebenfalls Testverfahren geben. Außerdem führen auch im Ausland Ärzte und Psychologen Untersuchungen durch und erstellen Gutachten.
Rein theoretisch könnte es also möglich sein, den MPU-Test in Deutschland zu umgehen, indem du der Behörde ein Gutachten aus dem Ausland vorlegst. In der Praxis funktioniert dieser Weg aber nicht. Denn das Anmeldeverfahren zur MPU folgt einem klaren Ablauf:
- Etwa drei Monate vor Ablauf der Sperrfrist beantragst du bei der Führerscheinstelle die Neuerteilung der Fahrerlaubnis.
- Bei Anordnung einer MPU fordert dich die Behörde dazu auf, eine Begutachtungsstelle anzugeben. Die MPU kannst du bundesweit bei jeder amtlich zugelassenen Begutachtungsstelle absolvieren.
- Die Behörde schickt nun deine Führerscheinakte zusammen mit der Eignungsfrage, die das Gutachten klären soll, an die von dir benannte Begutachtungsstelle.
- Die Begutachtungsstelle bestätigt dir den Eingang deiner Akte und schickt dir die Zahlungsaufforderung für die MPU-Gebühr zu.
- Nachdem du die Zahlung geleistet hast, bekommst du den Termin für deine Begutachtung.
Hinzu kommt, dass die Begutachtung und die Bewertung deiner Fahreignung nach bestimmten Richtlinien und festgelegten Kriterien erfolgen müssen. Maßgeblich für die Vorgaben ist deutsches Recht.
Weil die MPU von einer akkreditierten Prüfstelle durchgeführt werden und das Gutachten definierten Anforderungen genügen muss, wird die Behörde irgendein Begutachtungsergebnis nicht anerkennen. Den Aufwand für ein ausländisches Gutachten als Alternative zur MPU kannst du dir also sparen.
Fazit zum Umgehen der MPU
Eine Vermeidung der MPU ist zwar grundsätzlich möglich, doch die legalen Umgehungsstrategien sind aufwändig und teuer. Der EU-Führerschein ist an rechtliche Vorgaben gebunden, die nicht jeder ohne Weiteres erfüllen kann. Der Trick, die MPU auszusitzen, bis der Eintrag verjährt ist, funktioniert nur dann, wenn jemand 15 Jahre lang auf seinen Führerschein verzichten kann.
Die beste Lösung, die MPU zu den Akten zu legen, besteht tatsächlich darin, dich der Untersuchung zu stellen. Dass die Durchfallquote bei der MPU hoch ist, liegt in erster Linie an einer schlechten Vorbereitung. Es ist aber nicht notwendig, dass du teure Einzelsitzungen beim Psychologen oder umfangreiche MPU Seminare buchst. Eine MPU Vorbereitung Online ist genauso effektiv, aber kostengünstiger und sowohl flexibel als auch kurzfristig zu bewerkstelligen.
Und wenn du gut vorbereitet antrittst, gibt es keinen Grund, warum du nicht bestehen solltest!
Ömer Bekar entwickelt seit 2006 digitale Testverfahren für Einstellungstests und Bewerbungsprozesse – unter anderem für Auswahlverfahren von Polizei, Bundeswehr, Zoll und kommunalen Verwaltungen. Aufbau, Ablauf und Auswertungslogik dieser Verfahren erarbeitet er selbst, ebenso die technische Umsetzung. Jede Aufgabe wird fachlich geprüft und im Zwei-Augen-Prinzip namentlich verantwortet.
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Der Antrieb dahinter ist Transparenz: Rund um die MPU bewegen sich Anbieter, die Betroffenen mehrere tausend Euro abnehmen, ohne dafür eine entsprechende Leistung zu erbringen. Wer versteht, wie eine MPU abläuft und was tatsächlich verlangt wird, ist davor besser geschützt.