Die Software, mit der eine Begutachtungsstelle den Reaktionstest durchführt, ist nicht im Handel, und es gibt sie auch nicht als App. Wer nach einer MPU-Simulation für den eigenen Rechner sucht, findet deshalb Nachbauten, die keinen Prozentrang ausweisen können. Trainierbar ist dennoch der Kern der Aufgabe: ein Signal von Ablenkreizen unterscheiden und ohne Zögern richtig reagieren. Bewertet wird am Ende nicht Ihre Punktzahl, sondern Ihr Prozentrang gegenüber altersunabhängigen Normwerten – für die Fahrerlaubnisklassen der Gruppe 1 genügt Prozentrang 16.

Der Reaktionstest ist ein fester Bestandteil der MPU.
Was sich online üben lässt und was nicht
Der Reaktionstest läuft an einem Messplatz der Begutachtungsstelle: Bildschirm, Tastenpult, Fußpedale, Kopfhörer. Gerät und Software sind nicht frei erhältlich. Suchbegriffe wie MPU-Software, MPU-Lernsoftware oder Prüfungssimulation führen daher zu Nachbauten, deren Ergebnis mit der Normierung des Originals nichts zu tun hat.
Üben lässt sich die Aufgabe selbst: aus mehreren gleichzeitig eintreffenden Reizen den vorgegebenen heraussuchen und sofort die passende Bewegung ausführen. Der Gewinn liegt nicht in einem besseren Messwert, sondern darin, dass Sie am Termin schon wissen, was verlangt wird, statt das erst in der Übungsphase zu verstehen. Der folgende Test arbeitet mit demselben Prinzip.
Zwei Varianten tauchen in Suchanfragen besonders häufig auf. Bei der Pfeilvariante zeigt der Bildschirm Pfeile in wechselnder Richtung, und reagiert wird nur auf eine vorher festgelegte Richtung; sie prüft dasselbe Merkmal wie die Farbvariante, nur mit anderem Reizmaterial. Eine KI-gestützte Simulation der MPU gibt es dagegen nicht: Weder das Untersuchungsgespräch noch der Messplatz werden von einem Programm abgebildet, das ein verwertbares Ergebnis liefert.
MPU Reaktionstest
Ablauf am Messplatz
Der Leistungsteil dauert je nach Zusammenstellung der Verfahren etwa 20 bis 30 Minuten. Der Reaktionstest kommt darin nahezu immer vor, und er ist bewusst so angelegt, dass er Sie an Ihre Leistungsgrenze bringt: Er soll die Reizdichte nachbilden, die beim Fahren auf Sie einwirkt.
- Der Gutachter oder eine Assistenz erklärt Aufbau und Ablauf. Nachfragen sind an dieser Stelle ausdrücklich vorgesehen.
- Sie setzen sich an den Messplatz und ziehen Kopfhörer auf.
- Auf dem Bildschirm leuchten Felder in mehreren Farben auf, über die Kopfhörer kommen hohe und tiefe Töne.
- Auf bestimmte Farben, Töne oder Kombinationen reagieren Sie mit Taste, Pedal oder beidem – auf alle übrigen ausdrücklich nicht.
- Vor der Messung läuft eine Übungsphase, in der Sie den Ablauf ausprobieren können.
- Die Messung selbst gliedert sich in eine langsame, eine schnelle und wieder eine langsame Phase.
Ihre Eingaben werden gespeichert und nach dem Durchgang ausgewertet. Ein fehlerfreier Durchgang wird nicht erwartet; verlangt ist das Erreichen des Grenzwerts.
Prozentrang statt Punktzahl
Der Prozentrang sagt aus, wie viele Personen der Vergleichsstichprobe schlechter abgeschnitten haben als Sie. Prozentrang 70 heißt: 70 Prozent lagen darunter, 30 Prozent darüber. Der höchste erreichbare Wert ist 100, der niedrigste 0.
Maßgeblich sind altersunabhängige Normwerte – nicht, wie häufig zu lesen ist, eine Normstichprobe der eigenen Altersgruppe. Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung nennen für die Gruppe 1 den Prozentrang 16, der in allen eingesetzten Leistungstests erreicht oder überschritten sein muss.
Wenn ein Grenzwert verfehlt wird
Eine Unterschreitung beendet die Untersuchung nicht. Die Begutachtungsleitlinien nennen drei Wege, auf denen sie geklärt oder ausgeglichen wird:
- Die Unterschreitung war situationsbedingt und damit nicht aussagefähig. Dafür ist ein zweiter Durchgang mit einer Parallelform des Verfahrens vorgesehen, der zeigt, ob das schwache Ergebnis an den Umständen lag.
- Sie wird durch stabile Leistungen in den übrigen eingesetzten Verfahren ausgeglichen.
- Sie wird durch Ergänzungsverfahren, eine Verhaltensbeobachtung oder eine Wiederholungsuntersuchung geklärt.
Bleibt das Ergebnis auch im zweiten Durchgang zu niedrig, kommt eine Fahrverhaltensprobe in Betracht: eine etwa einstündige Fahrt im echten Straßenverkehr, an der ein Fahrlehrer und der psychologische Gutachter teilnehmen. Beurteilt werden dieselben Merkmale wie am Rechner, vor allem Aufmerksamkeit, Reaktion, Spurhaltung und Abstand. Die Fahrschule dürfen Sie selbst benennen; kennen Sie keine, nennt die Begutachtungsstelle Adressen. Fällt die Auswertung ohne Beanstandung aus, ist das Ergebnis am Messplatz ausgeglichen.
Die übrigen Leistungstests im Überblick
Welche Verfahren die Begutachtungsstelle zusammenstellt, richtet sich nach der Frage, die die Fahrerlaubnisbehörde dem Gutachten gestellt hat. Neben dem Reaktionstest sind diese Verfahren üblich:
| Verfahren | Gemessenes Merkmal | Aufgabe |
|---|---|---|
| Wahrnehmungs- oder Überblickstest | Überblick, Auffassung | Eine Verkehrsszene wird kurz gezeigt; Sie geben an, was zu sehen war |
| Linienverfolgungstest | Konzentration, optische Orientierung | Eine markierte Linie zwischen verschlungenen, nummerierten Linien bis zum Endpunkt verfolgen |
| Figurenvergleichstest | Wahrnehmungsgenauigkeit | Prüfen, ob eine einzelne Figur mit einer von vier Figuren einer Reihe übereinstimmt |
| Matrizentest | Erkennen von Regelmäßigkeiten | In einer Musterreihe mit Lücke das passende Element ergänzen |
| Determinationstest | Belastbarkeit unter Dauerreiz | Farben, Töne und Signale kommen in hohem Tempo; Reaktion über Tasten und Pedale |
| Vigilanztest | Aufmerksamkeit über lange Zeit | Über eine längere Strecke reagieren, obwohl kaum etwas geschieht |
Woher Gerät und Software stammen
Die Messplätze kommen meist aus derselben Gerätefamilie. Unter dem Namen Wiener Testsystem laufen mehrere der genannten Verfahren an einem Arbeitsplatz, bedient über Tastenpult und Pedale. Für alle gilt derselbe Maßstab: der Prozentrang, nicht die absolute Zahl richtiger Antworten.
Übungsteil zum gesamten Leistungstest
Der folgende Test deckt den Leistungsteil breiter ab als der erste: Er verlangt Wahrnehmung, Konzentration und Belastbarkeit zugleich.
MPU Leistungstest
Wo der Leistungsteil in der MPU steht
Eine MPU besteht aus drei Abschnitten. Die medizinische Untersuchung klärt, ob körperliche oder geistige Einschränkungen die Fahreignung beeinflussen; dazu gehört in der Regel eine Blutentnahme, bei der die für die Fragestellung relevanten Werte bestimmt werden. Im psychologischen Untersuchungsgespräch bespricht der Gutachter die Sachverhalte, die er für seine Verhaltensprognose braucht. Die Leistungstests bilden den dritten Abschnitt. Hintergrund ist, dass langjähriger Alkohol- oder Drogenkonsum, bestimmte Medikamente und einzelne Krankheitsbilder Wahrnehmung, Reaktion und Belastbarkeit dämpfen können; sichtbar machen soll der Abschnitt genau das. Über das Gutachten entscheidet er selten allein – das Gewicht liegt im Gespräch.
Zur Begriffsklärung: Der dritte Abschnitt wird gelegentlich als verkehrspsychologische Untersuchung oder kurz VPU bezeichnet. Gemeint ist damit der psychologische Teil der MPU einschließlich der Leistungstests, nicht ein eigenes Verfahren mit anderen Anforderungen. Eine verkehrspsychologische Beratung oder Nachschulung ist davon zu unterscheiden: Sie ist freiwillig, ersetzt die Begutachtung nicht und wird von der Behörde auch nicht als Nachweis anerkannt.
Gruppe 2, Fahrgastbeförderung und Berufskraftfahrer
Leistungstests sind nicht der MPU vorbehalten. Für die Klassen der Gruppe 2 – Lkw und Bus – sowie für die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung sieht die Fahrerlaubnis-Verordnung eine eigene Untersuchung des Leistungsvermögens vor. Die Verfahren sind dieselben, der Maßstab ist strenger: Nach den Begutachtungsleitlinien muss hier in der Mehrzahl der eingesetzten Verfahren Prozentrang 33 erreicht oder überschritten werden, und Prozentrang 16 darf in den maßgeblichen Verfahren nicht unterschritten bleiben. Wer einen Personenbeförderungsschein verlängern lässt oder zum ersten Mal beantragt, trifft deshalb auf denselben Reaktionstest wie bei einer MPU, nur mit höherer Anforderung an das Ergebnis.
Was in den Tagen vor dem Termin zählt
Der Messwert hängt stärker von der Tagesform ab als von Training. Ausgeschlafen und nüchtern anzutreten, verschafft mehr als eine zusätzliche Übungsstunde am Vorabend. Tragen Sie eine Sehhilfe, nehmen Sie sie mit und setzen Sie sie auf. Medikamente, die Aufmerksamkeit oder Reaktion dämpfen, sprechen Sie vor dem Durchgang gegenüber dem Gutachter an, statt sie zu verschweigen – sie gehören zu den Umständen, die eine schwache Leistung erklären können.
Quellen und Rechtsgrundlagen
Die rechtlichen Angaben auf dieser Seite beruhen auf den folgenden Quellen. Maßgeblich ist immer der aktuelle Wortlaut der Norm; im Einzelfall entscheidet die zuständige Fahrerlaubnisbehörde.
- § 11 FeV – Eignungszweifel und Anordnung von Gutachten
- Anlage 4a FeV – Grundsätze für die Durchführung der Untersuchungen und die Erstellung der Gutachten
- Anlage 5 FeV – Eignungsuntersuchung für die Klassen der Gruppe 2 und die Fahrgastbeförderung
- Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (Bundesanstalt für Straßenwesen) – dort die Anforderungen an die psychische Leistungsfähigkeit: Prozentrang 16 für die Gruppe 1, Prozentrang 33 in der Mehrzahl der Verfahren für die Gruppe 2
- Bundesanstalt für Straßenwesen: Qualitätssicherung von MPU und Beratung
Letzte inhaltliche Prüfung: 8. Oktober 2026
Methodik und was wir ausdrücklich nicht behaupten →
Ömer Bekar ist Performance-Marketing-Manager und SEO-Spezialist aus Bremen. Seit 2006 arbeitet er im Suchmaschinenmarketing und hat vier Führungsrollen als Head of SEO beziehungsweise Head of Performance Marketing verantwortet, inhouse wie auf Agenturseite, zuletzt für die Sit&Watch Media Group und Best Placed Media. Parallel konzipiert und betreibt er seit 2006 digitale Eignungsauswahlverfahren und Vorbereitungsportale für Behörden, Unternehmen und Bewerber, darunter polizeitest.de, bundeswehrtest.de und einstellungstest.de. Die technische Umsetzung übernimmt er selbst, von der Testplattform und der Auswertung bis zu strukturierten Daten und Tracking. Die fachliche Prüfung der Testinhalte liegt bei Diagnostikerinnen und erfahrenen Praktikern.